Lagrasse und La Franqui

Unserer letzter Hochsommertag in diesem Jahr begann so lala und endete fantastisch. Der Reiseführer und mehrere Infobroschüren in unserem Gîte wiesen den Ort Lagrasse mit der dortigen Abtei als einen Höhepunkt der Region aus. Außerdem ist Lagrasse mit dem Prädikat Les Plus Beaux Villages de France geadelt, also ein geeignetes Ziel für uns – dachten wir. Aber schon bei der Ankunft waren wir ein wenig enttäuscht: Lagrasse präsentierte sich ok, aber nicht so ausgezeichnet wie erhofft.

Okay, Hunde gehen bei uns immer, um die Stimmung etwas aufzuheitern.

Beim Rundgang durch das Dorf war deutlich zu spüren, dass die Saison zu Ende ging – es war nicht viel Betrieb und einige Läden geschlossen.

Zumindest eine niederländische Hochzeitsmodenfirma nutze den Ortskern mit einer sehr alten Markthallenbebauung für ein Fotoshooting.

Der Besuch in der Abbaye Saint-Marie de Lagrasse wurde dann sogar enttäuschend. Das Kloster ist in einen staatlichen (leicht besuchbaren) und einen privaten (noch von Mönchen bewohnten) Teil eingeteilt. Für diese Einteilung sorgte die Herrschaft Napoleons in Frankreich, in dieser Zeit wurde das Kloster in den weltlichen Teil aus dem frühen Mittelalter und den kirchlichen Teil geteilt und so zu einem kleineren Teil ein Museum.

In allen Räumen aus dem Mittelalter gab es Kunstinstallationen, die uns aber bis auf die im großen Saal hier nicht in den Bann zogen.

Denn kirchlichen Teil des Klosters konnten wir nicht besuchen, da dort sehr ungewöhnliche Öffnungszeiten am Nachmittag üblich waren. Deshalb machten wir uns wieder auf den Weg ins Dorf, um zumindest unseren Hunger zu stillen.

Das Kloster vom Fluss aus betrachtet. Die Teile aus dem Gründungsjahr 779 sind von außen allerdings nicht zu sehen.

Das Dorf bot auch nicht so viel Abwechslung wie erhofft, aber zumindest gab es immer mal wieder schöne Ansichten auf die Häuser aus der Zeit der Renaissance.

Eine Melange aus vielen Epochen und gepflegten Straßen.

Nach dem Essen entschied Matthias dann, dass wir anstatt zu einem Weingut bei unserer Unterkunft doch noch einmal an den Strand fahren sollten. Also ging es auf in Richtung Mittelmeer.

Auf unserem Weg fuhren wir dann kilometerlang durch abgebrannte Berge und Täler und auch der ein oder andere Weinberg war den Flammen in diesem Sommer zum Opfer gefallen. Hier im Südwesten von Narbonne müssen die Feuer wirklich heftig gebrannt haben und es wird wohl lange dauern, bis die Wälder sich wieder regenerieren können.

Auf diesem Bild sind nicht Sommergrün und Herbstrotbraun zu sehen, sondern die Bäume im Vordergrund sind beim Brand verkohlt, aber die feuchten Blätter/Nadeln „nur verdorrt“ und hängen nun tot an den schwarzen Baumstämmen.

Unser Ziel mit Strand war dann La Franqui, ein kleiner Ortsteil von Leucate mit einem Strand, der von Surfern und Seglern sehr geschätzt wird. Je näher wir dem Wasser kamen, desto bedeckter wurde leider der Himmel und wir bereuten schon etwas die Entscheidung für den Strandausflug.

In La Franqui kann man tatsächlich erst an den zahlreichen, aber wenig scheuen Flamingos (leider so gar nicht rosa gefärbt) vorbeischlendern und dann etwas weiter hinten am Strand in die Wellen abtauchen.

Das sich verschlechternde Wetter (bedeckt bei Wind und 25 °C Lufttemperatur) war aber gar kein Nachteil, sondern dadurch erlebten wir einen wunderbaren Nachmittag mit viel Wassersport.

Der Wind blies vom Wasser auf den langen, breiten und sehr sauberen Sandstrand und bot den vielen sportlichen Surfern beste Bedingungen.

Wir konnten nach den letzten Tagen ohne nennenswerten Wellengang endlich mal ein Badeabenteuer mit hohen Wellen und viel Spaß genießen. Da Wasser- und Lufttemperatur wirklich angenehm waren, haben wir es lange ausgehalten.

Die Bedingungen ließen wirklich sehr hohe Sprünge für die geübten Surfer zu.
Einige Surfer hatten meine Kamera entdeckt und haben dann gezielt vor uns zu größeren Sprüngen angesetzt und uns sogar per Handzeichen herzlich gegrüßt – leider gibt es davon gerade kein Foto.

Am Ende waren diese Stunden in La Franqui die schönsten am und im Mittelmeer – so richtiger Wellengang macht uns doch einfach viel Spaß.

Der Ortsteil hatte eine tolle Strandpromenade mit sicher sehr netten Restaurants und Bars und sollten wir einmal nach Südfrankreich für einen Strandurlaub zurückkehren, dann würden wir hier nach einer Bleibe suchen – ohne allerdings eine Ahnung von den Preisen zu haben. Es war schon alles sehr gepflegt und oft edel.

Morgen geht es dann langsam wieder in Richtung Berlin zurück, aber die nächste Reise ist ja schon lange gebucht 😉