En route

Heute haben wir uns dann von Südfrankreich und auch dem Sommer verabschiedet und uns nach einem letzten Frühstück von „unserem“ Gîte Madeleine aus auf den Weg gen Norden gemacht.

Jeden Abend erstrahlte das Haupthaus unserer Herberge in strahlendem Flutlicht vom benachbarten Sportplatz.

Unsere Gastgeber waren zwei schwule Belgier, die sich ihren Traum von einem Leben in Südfrankreich erfüllt haben und seit 15 Jahren das Haupthaus und einen kleinen Anbau mit mehreren Chambre d’Hôtes und dem Gîte betreiben.

Wir haben fast jeden Abend mit Käse, Wein, Baguette und Oliven aus der Region vor unserem Apartment verbracht – es braucht so wenig um glücklich zu sein.

Bruno und Bert waren hervorragende Gastgeber und wir hatten bei ihnen eine sehr schöne Zeit. Den kleinen Pool haben wir gerne genutzt, um noch einmal etwas abzukühlen.

Kleiner Pool und große (leider sehr uninspirierte) Gartenanlage. Das Haupthaus entsprach dem „Charme der Gegend“ – etwas rau, etwas wirr, etwas ausbesserungswürdig.

Für den Rückweg haben wir die La Méridienne (A75) ausgewählt, um durch das Massif Central zu fahren. Wir wurden absolut überrascht, wie schön diese Strecke war. Neben unzähligen Steigungen mit unglaublichen Aussichten und für eine Autobahn nicht zu erwartenden Serpentinen war die Landschaft sehr beeindruckend und die wenigen Ortschaften am Weg lagen meist wunderschön auf kleinen Hügeln.

Eine sehr typische Ansicht: alte Burg oben, Dorf mit Kirche drumherum

Die gesamte A75 war zudem mautfrei bis auf ein kleines Stück, was uns etwas überraschte. Da wir keine Lust auf die Maut und zudem Zeit hatten, sind wir kurz vor Millau abgefahren und eine wirklich verrückte Serpentinenstrecke in das Tal mit dem Ort Millau heruntergefahren. Die Aussicht zwischendurch war fantastisch.

Millau von oben und links am Rand der Grund für das kleine Stück mit Maut.

Zu unserer Überraschung hatten wir plötzlich einen wunderschönen Blick auf den Viaduc de Millau. Eine von Michel Virlogeux und Norman Foster geplante/entworfene im Jahr 2004 fertiggestellte Autobahnbrücke. Ich hatte über den Bau der Brücke vor Jahren eine Doku gesehen, aber nicht auf dem Schirm, dass wir heute daran vorbeifahren würden.

Der Viadukt ist die längste Schrägseilbrücke mit 2460 m und derzeit die höchste Brücke mit einer Pfeilerhöhe von 343 m in der Mitte.

Die Brücke beendete eine unhaltbare Situation für die kleine Stadt Millau. Denn alljährlich zu Beginn und Ende der Feriensaison ging der gesamte Nord-Süd-Verkehr durch die Stadt und quälte sich die extremen Serpentinen hoch und runter. Die architektonische Umsetzung, die auch den vielen technischen Bedingungen (Windsicherheit, Standsicherheit, starke Belastbarkeit, usw.) Rechnung tragend musste, ist aus unserer Sicht grandios gelungen. Wie Segel spannen sich die Seile über das Tal und der so mächtige Baukörper wirkt schlicht und edel.

Wir waren so begeistert, dass wir einen kleinen Umweg über das Dokumentationszentrum genommen haben, um die Brücke noch einmal von der Nähe zu betrachten.

Unsere Zwischenstation Dijon erreichten wir dann erst gegen 20 Uhr, da wir doch für die Fahrt über Serpentinen und teilweise über sehr kleine Landstraßen (von Clemand-Ferrand über Vichy nach Dijon) mehr Zeit benötigten als erwartet.

Auf der Place de la Libération gegenüber des Palais des Ducs

Und gleich die nächste Überraschung: Dijon war am Samstagabend so voller Leben, wie wir es niemals erwartet hätten. Alle Plätze und Straßen in der wunderschönen Innenstadt waren belebt und es war ein Fest, diesen evtl. letzten Sommerabend mit den vielen Menschen entspannt herumschlendern zu verbringen. Zudem hatten wir ein tolles Abendessen in einer angesagten Pizzeria, deren „Türsteher“ nicht jedem einen Platz zuwies. Wir hatten wohl das Glück, dass er LGBT-Personen bevorzugte und dabei keine Altersdiskriminierung betrieb ;-).

Wunderbar angelegte Plätze vor schönen Häusern – wir würden das nächste Mal einen längeren Stopp in Dijon einlegen.

Eigentlich hatten wir erwarte in der Stadt von Senfläden erschlagen zu werden, aber Dijon definiert sich wohl eher als Stadt des Weines und ist aj auch als Hauptstadt des Burgund von einer grandiosen Weinlandschaft umgeben. Auch hier hätten wir gerne noch etwas Zeit investiert, um Weine zu kosten, aber das Hotel in Nürnberg für morgen war schon gebucht und unser Hotel hier für das Wochenende ausgebucht.

Der berühmte Dijon-Senf stammt ursprünglich aus Paris, wo Antoine-Claude Maille 1747 ein Geschäft eröffnete. Diese Filiale wurde 1845 von einem Nachfahren in Dijon eröffnet und führt bis heute viele tolle Senfvariationen, wie wir durch das Schaufenster sehen konnten. Außer dieser Filiale gibt es nur noch zwei in Paris.

Morgen geht es dann früh auf der Autobahn weiter nach Nürnberg als letzter Station vor Berlin-Kladow.