Quer durch die Anden

Heute haben wir die Anden von West nach Ost durchquert und dabei von Chile nach Argentinien gewechselt. Die Strecke betrug nur 280 km aber das Ganze dauerte 6,5 Stunden und war teilweise atemberaubend.

Der Start in Jahuel war von den ersten Wolken auf dieser Reise begleitet und wir befürchteten, auf unserer Fahrt nur eingeschränkte Blicke auf die Andengipfel zu erhalten, auch weil die Wettervorhersage Dauerregen ab Mittag für die Strecke vorhergesagt hatte. So sind wir schon früh (9 Uhr) aufgebrochen und haben langsam den Weg auf der Passstraße Los Libertadores nach oben erklommen. Langsam auch deshalb, weil diese Straße die Hauptverbindungen zwischen Santiago und Argentinien ist und deshalb der Güterverkehr per LKW auf diesem Pass verkehrt.

Nach ca. 30 Kilometern riss die Wolkendecke auf und wir erhielten freie Sicht auf die Andengipfel. Immer höher ging es gemeinsam mit einer langen LKW Kolonne und einer Geschwindigkeit von 20 bis maximal 30 km/h.

Einer der Höhepunkte der Route waren die Serpentinen bei Cuesta Caracoles: 29 sehr enge, meist 180° Kurven bei einer Steigung zwischen 5 bis 8 %. Die Bilder können die Realität kaum wiedergeben. Die hin- und herfahrenden LKW bildeten eine Schlange, die sich den Berg hinauf kämpfte und der langsamste LKW gab die Geschwindigkeit vor – an Überholen war nur sehr selten zu denken.

Oben ging es dann in den Tunnel Cristo Redentor de los Andes der bei einer Länge von drei Kilometern die Landesgrenze zwischen Chile und Argentinien bildet. Und damit gleich zu unserer größten Sorge: wie läuft der Grenzübertritt ab. Wir wurden bei der Autovermietung darauf hingewiesen, dass wir unzählige Papiere und Versicherungsnachweise benötigen würden (da die Erklärung auf Spanisch lief, waren wir nicht ganz so sicher, was wir dort alles benötigen würden).

Schlussendlich lief dann alles wieder gänzlich südamerikanisch ab. Wir erhielten kurz nach dem Tunnel einen sauber abgerissenen Abschnitt eines leeren DIN A4 Blattes, auf dem ein Grenzbeamter unser Autokennzeichen und die Zahl 2 (für zwei Personen) notiert und das ganze mit Stempel ergänzt hatte. Dann ging es 15 km später (abfahren konnte man ja nicht) in ein ziemlich verstörendes Gebäude mit absolut unklarer Beschilderung und Wegeführung, in dem an verschiedenen Schaltern verschiedene Dinge in Rechner getippt wurden oder von einem Privathandy eingescannt wurden – irgendwann hieß es, wir sind fertig und könnten weiterfahren. Wir hatten nun noch mehr Stempel auf den Papierabschnitt aber keine Ahnung was geschehen war. Dafür wussten wir, dass einer der anderen Grenzbeamten schon mal in Berlin war. Was ein Chaos….

Auf der argentinischen Seite ging die Passstraße langsam durch ein trockenes Tal mit wunderschönen farbigen Felsformationen in Richtung Mendoza bergab. Dabei fuhren wir immer entlang einer stillgelegten Bahnlinie, die wohl vor einigen Jahrzehnten für den Güterverkehr genutzt wurde.

Schließlich gab es wieder einige kleine Häuser, einen surreal wirkenden Wintersportort und plötzlich einen als Gendarm gekleideten Mann, der uns den Papierabschnitt mit all den Stempel, Unterschriften und Notizen abnahm und und passieren ließ. Wir haben nun keinerlei Stempel mehr, nicht mal im Reisepass, lediglich ein Dokument zum Grenzübertritt mit Mietwagen zeugt noch von dem Grenzübertritt.

Nun sind wir in Mendoza auf dem Weingut angekommen, auf dem wir gleich eine Weinprobe erhalten werden und die nächsten beiden Abende verbringen werden. Dazu morgen mehr.

Rückblickend ist wieder einmal alles problemlos abgelaufen, wir hatten unbeschreiblich tolle Ausblicke auf die Gipfel der Anden und können schon jetzt feststellen: wir sind so glücklich hier zu sein!!!!!