Llaima – Vulkan im Conguillío-Nationalpark

Am heutigen Sonntag findet der erste Wahlgang für das Präsidentenamt in Chile statt. Wir haben uns bisher nicht besonders viele Gedanken um die chilenische Politik gemacht, da das Land seit dem Ende der Militärdiktatur als politisch eher stabil gilt. Allerdings gibt es in Chile die gleichen Tendenzen, wie in so vielen Demokratien: die Ränder werden auf Kosten der Mitte stärker und wahrscheinlich wird es ab der Stichwahl einen national-populistischen Präsidenten geben, der die Migration aus Venezuela unterbinden möchte. Und was hat das mit uns und dem Blog zu tun?

Wir dachten eigentlich, das betrifft uns nicht, aber in Chile gilt zum ersten Mal Wahlpflicht und alle Chilenen müssen heute wählen gehen. Deshalb haben die nationalen und kommunalen Einrichtungen geschlossen und somit starteten wir heute in einen Nationalpark, der aus den genannten Gründen geschlossen sein würde. Unser Gastgeber Hans meinte aber, wir sollten zur Schranke fahren und auf dumm tun: nichts verstehen, nur Englisch und Deutsch mit einzelnen Vokabeln Spanisch sprechen und es würde schon klappen. Oder einfach – wenn niemand vor Ort wäre – Schranke auf und durch…

Tatsächlich versuchte ich Variante 1 mit ein wenig Charme und Mitleid bei der Frau, die die Schranke „verwaltete“, aber ich scheiterte – auch wenn man in ihrem Blick sehen konnte, sie würde uns schon irgendwie gerne helfen. Dann zündete Matthias die zweite Rakete und sagte, wir müssten aber durch den Park auf die andere Seite fahren (auch diesen Tipp hatten wir von Hans) und schon war es alles kein Problem. Wir sollten nur nicht aussteigen, fotografieren und die schönen Dinge betrachten. Damit wir genau wussten, wo diese schönen Dinge sind, zeigte die Frau uns diese Stellen genau auf der Karte: sie war wohl doch auch stolz, uns diese Schönheiten zugänglich zu machen 😉

Der Llaima ist einer der aktivsten Vulkane Südamerikas und ist im letzten Jahrhundert im Schnitt alle 3 Jahre ausgebrochen. In diesem Jahrhundert bisher fünf mal und seit 2010 ungewöhnlich ruhig. Wir haben ihn im Laufe diese Tages mit einigem Abstand komplett umrundet.

Zum Baumbestand, dem Vulkan mit seinen vielfältigen Lavafeldern gehören auch einige Seen und der schon lange erloschene Vulkan Sierra Nevada zu diesem Park, von dem noch einige Teile des Kraterrandes übriggeblieben sind.

Wir sind etwas den Kraterrand hochgewandert, aber haben nach dem ersten Ausblick von oben umgedreht, da das besteigen von Vulkankratern einfach aufgrund der Steigung schnell wahnsinnig anstrengend wird. Wir sind eben doch keine 30 mehr!!!

Bei der Wanderung um den Lago Arcoiris (Regenbogensee) konnten wir durch ein ausgedehntes, natürlich schon lange erkaltetes Lavafeld wandern. Dabei war es beeindruckend zu sehen, wie auf dieser abweisenden Oberfläche immer wieder kleine Pflanzen geschafft haben, sich einen Platz zu erobern.

Der See selber muss nach einem Lavaausbruch aufgestaut worden sein und hat die großen Araukarien förmlich ertränkt. Die toten Stämme liegen nun am Boden des glasklaren Wassers und zaubern mit den anderen farbigen Sedimenten ein unglaubliches Muster.

Auf der anderen Seite waren die Farben dafür fast ausgeblendet und nichts wirkte bunt oder lieblich.

Überall meterhohe Lavawände und immer der Blick auf den Llaima, der mit 3125 m Höhe sogar die Zugspitze überragt.

Bei einer Eruption in diesem Jahrtausend wurde eine besonders große Menge Lava ausgestoßen und hat ein mächtiges Lavafeld hinterlassen, durch welches mittlerweile eine Straße geht, die wir Richtung Süden genommen haben.

Kurz vorm Verlassen des Nationalparks ergab sich dann noch ein Blick auf den Rand des großen Lavafeldes aus den Jahren 2008/2009.

Da wir beim Einlass in den Park ja etwas geschwindelt hatten und unsere Durchfahrt dort in einem Buch protokolliert wurde, mussten wir zum Südausgang des Nationalparks weiterfahren und einen 130 km langen Umweg zu unserem Hotel in Kauf nehmen. Aber auch hier wurden wir gut entschädigt.

Die erste Erkenntnis dieses Weges: der kleine Süden Chiles ist an manchen Stellen wirklich sehr, sehr ähnlich zu den Mittelgebirgen in Deutschland (zumindest wenn man mit dem Rücken zu den Vulkanen steht). Die zweite Erkenntnis: in dieser Gegend sind auch die Ortschaften oft ein wenig wie in Deutschland und es ist zumindest auf den ersten Blick leicht für uns, hier zu reisen. Die dritte Erkenntnis: die Chilenen hier liebe gepflegte Gärten und Parks mit wunderbaren Rosen (im Frühling hier ein echter Genuss).

Und in Ermangelung von Wildlife gibt es nach einmal etwas Flora: in der Abendsonne haben die chilenischen Feuerbüsche ganz besonders schön geleuchtet.

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