Huilo Huilo

Die bessere Überschrift wäre eigentlich: Huilo Huilo, oder Jurrasic World in Chile – aber dazu später mehr.

Nach einem wunderbaren Abendessen in Pucón in einem italienisch angehauchten Restaurant mit wirklich allem was man sich so wünschen kann, haben wir beschlossen, den heutigen Tag in der Reserva Biológica Huilo Huilo zu verbringen.

Nach einem guten Frühstück machten wir uns auf den Weg in den 110 km entfernten, privat betriebenen Park, wobei schon der Weg auf der Ruta de los Siete Lagos Teil unseres Zieles war. Wir haben jedoch nur einen Teil der Straße befahren, nicht alle 7 Seen lagen auf unserem Abschnitt.

Wir hatten unbehelligt Zeit, einige Fotos zu machen und uns an dem schönen Panorama des Lago Panguipilli zu erfreuen.

Weiter in Richtung des Naturparks auf der durchgehend asphaltierten Straße direkt zum Wasserfall, der dem ganzen Park seinen Namen gegeben hat: Salto Huilo Huilo. Dort angekommen mussten wir den Eintritt bezahlen und wurden – mit mäßiger Info – auf einen Wanderweg geschickt. Alles war eigentlich gut gemacht – aber auf dem zweiten Blick doch eher wenig hilfreich.

Nach der Wanderung zu den Fällen, machten wir uns auf den Weg zum Sendero Botánico, dem Wanderweg durch den valdivianischen Urwald. Wir hofften auf viele Eindrücke bezüglich der Flora der Umgebung. Und am Anfang war auch noch alles gut und wir waren gut gelaunt.

Matthias und ich machten Fotos von den uns unbekannten Pflanzen und hielten immer mal wieder an, um Vergleiche zu unserer Vegetation herzustellen.

Im Lauf der ersten beiden Kilometer wurde der Pfad aber schmaler und anstrengender. Die Schritte mussten zunehmend genauer platziert werden und der Blick wanderte deshalb immer mehr zum Waldboden.

Langsam fing der Untergrund an zu nerven und der Weg wurde immer steiler (sowohl bergauf als auch bergab). Wir hofften schnell, dass wir nicht mehr allzu lange auf dem unwegsamen Terrain unterwegs sein müssten.

Der Weg führte an einen Abschnitt des Flusses, wo wir auf ziemlich heftige Stromschnellen im Urwald blicken konnten.

Dann ging es zu einem weiteren Abschnitt des Parks, in dem man verschiedene Hirsche (unter anderem die hier heimischen Huemul oder Pudu) sehen sollte. Wieder ging es auf einen Wanderweg über ein großes Gelände und immer schön hoch und runter. Schlussendlich haben wir nur Wildschweine hinter einem Zaun und Hirsche (große wie bei uns) ebenfalls in einem großen Gehege gesehen. Um die Hirsche gut sehen zu können, wurde das riesige Gehege mit einem Metalllaufsteg auf ca. 4 m Höhe umgeben. Allerdings gab es schon mal innerhalb des Geheges einen Holzsteg zur Tierbeobachtung, der nun ersetzt aber nicht abgerissen war. Man starrte also permanent auf die Überreste der alten Anlage.

Langsam stellten wir fest, dass der gesamte Park eigentlich fast überall eine Melange aus alt und nicht abgerissen und neu und noch nicht so ganz fertig war. Diese Mixtour brachte uns etwas an unsere Grenzen. Hier einige Beispiele:

Dieses aus dem Wald herausragende Gebäude war gut sichtbar aber auf neueren Karten nicht eingezeichnet, auf älteren Karten aber als Canopy Station begehbar.

Im Park gibt es außerdem einige sehr besondere Hotels, die sowohl architektonisch interessant waren, als auch im Internet als ganz besonders beschrieben wurden. Allerdings wurden wir vor Ort sehr enttäuscht. Alles hatte den Charme des beginnenden Verfalls und die Häuser im Wald zu finden, würde schon durch drei unterschiedliche Arten von Lageplänen erschwert.

Insgesamt kam uns die Anlage immer mehr wie bei Jurrasic World vor: Es gab noch die alten Bauwerke auf dem Gelände, die aber nicht mehr richtig genutzt wurden und auch nicht entfernt wurden und gleichzeitig gab es neue Projekte, die aber zu den alten weniger passten. Wir hatten uns doch etwas mehr versprochen.

Nun liegen wir total erschöpft auf dem Hotelbett und freuen uns morgen auf die Fahrt nach Valdivia, wo wir zum ersten Mal auf dieser Reise ans Meer gelangen.

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