Mit dem Schiff über die Anden – Teil 1

Heute sind wir ziemlich früh nach schnellem Frühstück am Hotel abgeholt und ins Zentrum von Puerto Varas gebracht worden, um mit dem Schiff über die Anden zu fahren. Was sich merkwürdig anhört, ist eine traditionelle Route von Chile nach Argentinien und umgekehrt, die es schon über 100 Jahre gibt und die derzeit von Cruce Andes sehr professionell betrieben wird.

Wir sind für diese Tour mit dem Bus bis nach Petrohué gebracht worden und haben dort einen Katamaran bestiegen. Vorher ging es aber noch an die Saltos de Petrohué, die hier im Nationalpark im Osten des Lago Llanquihue liegen. Mich hat diese große Ansammlung von Stromschnellen schon vor 11 Jahren eher kalt gelassen, aber Matthias hatte schöne Erinnerungen.

Dann ging es mit dem Schiff über den Lago Todos los Santos bis zum Anleger von Peulla. Dies war der eigentlich Anlass, dass wir diesen Weg genommen haben: mit dem Schiff über einen See fast ganz ohne Bebauung, ohne angrenzende Straßen und mit schöner Aussicht auf die umliegenden Berge.

Mit dem fortwährenden Blick auf die Vulkane Osorno und Puntiagudo und traumhaftem Wetter führen wir etwas mehr als zwei Stunden auf dem Boot durch die Anden.

An der Anlegestelle haben wir einen kleinen Spaziergang zum Hotel im „Ort“ gemacht, der aus fünf Häusern und der Hotelanlage besteht. Dort sind wir nun in einem sehr abgeschiedenen Tal für eine Nacht untergebracht.

Die Tradition dieser Reise zwischen den beiden Nachbarstaaten wurde uns ausführlich erklärt, war aber schlussendlich nicht so spannend wie die Natur bei diesem unbeschreiblichen Wetter. Dabei müssen Matthias und ich einräumen, dass wir gänzlich falsche Vorstellungen von dem hatten, was uns hier erwartet hat. Das kleine Schiff war mit knapp 300 Passagieren voll besetzt und fährt täglich einmal hin und zurück. Ebenso treffen hier von der argentinischen Seite zur Mittagszeit eine ähnliche Anzahl von Gästen ein. Im Hotel trifft man dann auf einen Betrieb, der in nicht mal zwei Stunden knapp 500 Menschen mit Essen versorgt und – je nach Reiseplan – in die richtige Richtung weiterleitet. Das hat mit südamerikanischem „Klappt-schon-irgendwie“ gar nichts zu tun. Aber die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter regeln alles so gut, genau, pünktlich und höflich, dass die positiven Kommentare im Internet sehr berechtigt sind.

Für den Nachmittag haben wir uns einen kleinen Ausflug mit einem Bus und einem noch viel kleineren Schiff weiter das Tal hinauf „aufschwatzen lassen“. Die zwei Stunden waren für uns nach all den Erlebnissen der letzten 20 Tage nicht so aufregend, aber wir wurden – meist sitzend und langsam durch die Natur schaukelnd – entspannt unterhalten.

Morgen geht es dann über die direkt hinter der kleinen Passstraße liegende Grenze nach Argentinien und über zwei weitere Seen durch die Anden bis Bariloche. Wir freuen uns schon sehr, weil auch für morgen ein Wetter mit Sommerflair vorhergesagt ist.

Bis dahin genießen wir noch die Ruhe hier. Es ist ähnlich wie auf Helgoland: während der Mittags-, Nachmittagszeit ist es viel zu laut und betriebsam, aber wenn die Tagestouristen weg sind, wird es ruhig und gelassen – darauf einen PiscoSour 😉

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