Anders als die vielen Tage vorher, gibt es heute kaum Fotos. Dafür versuche ich unsere Zeit an Bord der Plancius etwas zu dokumentieren – auch damit Matthias und ich diese fantastische Reise noch lange in Erinnerung behalten.
Seetag bedeutet für uns alle, dass wir ohne Landgang auf diesem 90 m langen und 14 m breiten Schiff zusammen verbringen. Die Crew (37 Menschen die im nautischen und im Servicebereich arbeiten, 8 Expeditionsprofis) möchte uns 102 Passagiere bei Laune halten, da es wirklich nicht viel „Luxus“ auf diesem Schiff gibt: eine Lounge mit 108 Sitzplätzen, eine sehr kleine, benachbarte „Bibliothek“ und den Speisesaal (nur zum Essen geöffnet) – keinerlei Entertainment- oder Sporträume innerhalb des Schiffes. Und auch an Deck gibt es insgesamt sechs Sitzbänke und sonst nur die Möglichkeit etwas draußen herumzugehen und von Bord aus Fotos in alle Richtungen aufzunehmen.

Aber wie wir von anderen Mitreisenden und mittlerweile auch selbst erfahren haben, steht eben die Expedition im Vordergrund. So werden wir deshalb an diesen beiden Seetagen gut auf unsere Tage in Südgeorgien vorbereitet. Das bedeutet in diesem Fall, dass wir Vorträge unserer Expeditionsleitung erhalten, die aus ihrer Arbeit für die verschiedensten Organisationen rund um die Tier- und Pflanzenwelt der Subantarktis und Antarktis berichten. Wir fühlen uns ein wenig wie auf einer Klassenfahrt: man wird früh geweckt, um 7:30 Uhr gibt es Frühstück und spätestens um 9 Uhr startet der erste Vortrag. Das Niveau beginn meist im Bereich des Allgemeinwissens und steigert sich über 90 Minuten hin zu teils komplexen Zusammenhängen und die meisten Reiseteilnehmer sind aufmerksam dabei.

So werden wir immer weiter in das Ökosystem hier hineingezogen und können besser die verschiedenen Zusammenhänge verstehen. Das größte Problem dabei ist allerdings die Sprache. Nicht, dass wir kein Englisch könnten, aber das der Zaunkönig im Englischen wren oder der Eselspinguin gentoo penguin heißt – diese Begriffe fehlen uns einfach. Und so geht die ein oder andere Info auch an uns vorbei – trotz PowerPoint und viel Engagement der ausgebildeten Biologinnen und Biologen.

Diejenigen, die keine Lust auf die Vorträge haben oder gänzlich wegen der Fotografie hier sind, laufen während der Zeit an Deck herum und versuchen die Seevögel abzulichten.

Unser Highlight ist aber die Expeditionsleiterin Ali Liddle aus UK, die selber 15 Jahre auf den Falklands und knapp ein Jahr auf Südgeorgien gelebt hat und neben Grundschullehrerin in Stanley, Postbeamtin im kleinen Postamt Südgeorgiens war, auch in vielen Wildlife- und Ecosystem Conservation Projekten in den Polregionen mitgearbeitet hat. Für unsere Reise ist sie der absolute Hauptgewinn, da sie auf den von uns besuchten Inseln wahrscheinlich jeden Winkel samt Flora und Fauna kennt. Wir haben auf den Falklands so eine ihrer Exschülerinnen kennengelernt, deren Mann die Schaffarm betreibt, die wir vorgestern besucht haben.

So weit vom ersten Seetag auf dem Weg zu den subantarktischen Inseln Südgeorgiens. Morgen gibt es dann Infos zu unseren Vorkehrungen, dass wir die Tier- und Pflanzenwelt der Insel so wenig wie möglich durch unseren Besuch gefährden und zu unseren Mitreisenden, die wir nun schon etwas besser kennengelernt haben. Und während ich hier den letzten Satz geschrieben habe, werden wir schon wieder per Bordinfosystem zum täglichen Recap zusammengerufen und erhalten unser daily briefing.







