Seetag 3: Vorbereitungen

Mittlerweile sind wir in den antarktischen Gewässern angekommen, wir bekommen das nur über die Temperatur mit, die nun nur noch bei 4 °C liegt. Das Wetter ist ansonsten unverändert, der Himmel ist grau, das Wasser blau und der Horizont verliert sich im Nebel.

Wir haben am gestrigen Abend die antarktische Konvergenz überquert, das ist ein ca. 50 km breiter Streifen, in dem das Wasser aus dem Atlantik auf das Wasser aus der antarktischen See trifft und sich das kalte Wasser der Antarktis unter das wärmere Wasser der nördlichen Ozeane schiebt. Nach diesem Mischgebiet fällt die Wassertemperatur schlagartig um 6 °C ab und markiert so den Übergang in die Polregion. Für uns ist das auch deshalb von Bedeutung, weil an dieser Grenze Richtung Süden das Nahrungsangebot deutlich steigt und wir mit viel mehr Meeressäugern rechnen können.

Ansonsten haben wir heute den Vormittag der Bio-Sicherheit gewidmet und einige sind noch dabei. Das bedeutet, wir haben alle Außenkleidung und die Gummistiefel so gereinigt, dass wirklich kein Eintrag von uns in das so besondere Ökosystem Südgeorgiens geschehen sollte. Alles Gewebe, jeder Klettverschluss und jede Rille in den Sohlen wurde penibelst gesäubert und selbst die Innentaschen der Jacken wurden ausgesaugt.

Zusätzlich gab es am frühen Nachmittag eine Feuerübung der Crew – man lässt sich gerne von engagierten Menschen in Schutzkleidung unterhalten, wenn es draußen alles grau ist.

Nun wird es langsam Abend uns wir haben noch zwei Vorträge vor uns. Ansonsten beobachten Matthias und ich aus unserem Fenster die Birder, die stundenlang mit ihren großen Zoomobjektiven die einzelnen Vögel fotografieren.

Hier habe ich mich auch mal etwas dazugesellt und diese hübschen Sturmvögel fotografiert.

Ungefähr die Hälfte der Mitreisenden hat Kameraausrüstungen, die als Profikameras und Profiobjektive zu bezeichnen und entsprechend groß und schwer sind. Viele fotografieren sogar mit zwei Kameras. Außerdem haben wir zwei Profifotographen dabei, wobei der eine auch für die BBC arbeitet und die andere hier einen Kurs für eine Gruppe gibt und für National Geographic fotografiert.

Dann haben wir noch die beiden harten Jungs aus Liverpool, die von morgens bis abends vorne stehen und Wale und Delfine und Vögel und Robben und…. fotografieren und uns immer wieder melden, wo gerade was schwimmt. Sie haben sogar schon zwei Blauwale fotografiert. Da wir einen Profi für Seesäugetiere im Staff-Team haben, der uns auch schon einen Vortrag gehalten hat, ist es gesichert, dass es Blauwale waren – wir haben sie aber nicht gesehen.

Die Passagiere sind dabei von allen Kontinenten bis auf dem afrikanischen Kontinent und die Anzahl der Nationalitäten ist größer als erwartet. Auch aus Europa sind viele Mitreisende dabei, wobei die Deutschen wohl die Mehrheit stellen, gefolgt von den US-Amerikanern. Wir fühlen uns in diesem Mix ganz wohl und versuchen immer wieder an anderen Tischen beim Essen zu sitzen, um noch neue Geschichten zu erfahren.

Außerdem sind wir überrascht, wie viel Reiseerfahrungen die meisten Anderen hier haben. Wir fallen mit unseren Südamerikareisen eher in die Kategorie, spannend, interessant aber nicht besonders. So bekommen wir von Jung (ca. 25) bis Alt (ca. 80) viele spannende Reiseberichte und -ziele. Und für mich unglaublich, wie viele doch mehrere Monate um die Welt reisen und dafür ihren Job aufgegeben haben.

Und sehr viele Mitreisende sind so offen für die ganzen Infos, die es hier täglich gibt. Zudem fühlt man sich nie gestört oder genervt, obwohl es doch eng und klein ist. Es herrscht ein freundlicher und zuvorkommender Umgangston.

Morgen sollen wir dann endlich die Inseln Südgeorgiens erreichen, wir sind sehr gespannt, was uns da konkret erwartet.

2 Gedanken zu „Seetag 3: Vorbereitungen

  1. Hi Rolf, mit Begeisterung folge ich eurem Blog und schaue nicht nur ganz interessiert sondern auch ganz neidisch auf die wundervollen Fotos. Ohne Spanischkenntnisse käme ich wohl noch nicht. Einmal über die Anden. Jetzt seid ihr fermutlich schon auf der Antarktischen Halbinsel. Ich schaue mir auch Touren für den Winter 27/27 an. Die Antarktis, Falklandinseln und Südgeorgien stehen auf meiner Liste.
    Wünsche euch weiterhin tolle Erlebnisse.
    Liebe Grüsse aus Hongkong
    Christian

    1. Herzliche Grüße nach Asien, du solltest eine solche Reise mit dem Schiff in die Südpolarregion auf jeden Fall auf deine Liste setzen. Es ist sooo schön!!! Und Südgeorgien ist ein MUSS!

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