Estancia Túnel und Cerro Martial

Heute war das Wetter (leider) so wie gestern angesagt: vier Jahreszeiten an einem Tag. Beim Frühstück brannte noch die Sonne in den Frühstücksraum, so dass wir leicht schwitzend im T-Shirt den Blick auf die uns mittlerweile so vertraute Stadt genießen konnten.

Um möglichst noch verschiedene Stimmungen dieser Gegend aufzusaugen, haben wir uns dann auf den Weg entlang der Ruta 30 zum Baliza Escarpados, dem steilen Leuchtfeuer gemacht. Das die Ruta eine Nummer wie 30 führte, ließ mich auf eine gute Piste hoffen… Aber es hieß wohl eher, dass die Löcher der Schotterpiste mindesten 30 cm tief und mindesten 30 Löcher pro 100 m zu finden sind.

Wir sind dann bis zum Wanderweg zur Estancia Túnel gefahren und haben dort am Ende der Ruta 30 (hier endet einfach alles) das Auto stehen lassen.

Nach dem offiziellen Eingang zum Wanderweg entlang der Steilküste, liefen wir immer leicht auf und ab in einem ausgedehnten Scheinbuchenwald mit vielen alten, knorrigen Bäumen.

Natürlich waren wir als absolute Liebhaber der Scheinbuchen begeistert von den vielen unterschiedlichen Wuchsformen entlang unseres Wanderweges. Einige der Bäume haben sich im zunehmenden Wind so stark bewegt, dass die Äste und Stämme zahlreiche Geräusche gemacht haben.

Die weitere Wanderung führte uns dann an einen erhöhten Aussichtspunkt mit einem Blick auf einen Teil des Waldes, dessen Kronen gänzlich in Richtung hangaufwärts gebogen waren. Es ist hier wohl immer so stürmisch, dass ein anderes Wachstum nicht möglich ist.

Der Wind nahm im Laufe unserer Wanderung immer mehr zu und es wurde sehr, sehr stürmisch. Da wir noch weitere Programmpunkte für heute hatten, haben wir uns entschieden, den Wanderweg nicht bis zur Estancia zu laufen und lieber etwas vorher umzukehren. Bei dem Sturm waren wir froh, dass wir mehrere Schichten übereinander angezogen haben und die Wintermützen dabei hatten. Das war heftigstes Herbststurmwetter.

Nach einem weiteren Abstecher in einen sehr armen Teil von Ushuaia sind wir dann zum Cerro Martial – Parque del Fin del Mundo (es ist eben alles hier das Ende) gefahren, um dort noch einen kleinen Spaziergang zu unternehmen. Leider wurde das Wetter dann schlechter und Regen kündigte sich an.

Etwas überrumpelt von dem Trubel am Parkeingang haben wir ohne weitere Überlegungen den Parkeintritt bezahlt und uns dann erst zeigen lassen, was wir eigentlich dort machen konnten. Leider stellte sich heraus, dass wir lediglich zum Mirador del Glaciar wandern könnten. Ok – wir hatten bezahlt, also los ging es….

Ich poste hier nur eines der verschiedenen Bilder, aber auf der Piste standen im Matsch auch noch eine Schneeraupe, mehrere Bagger und ein Laster kämpfte sich durch den Schlamm nach oben. Dafür hatten wir und viele andere Besucher bezahlt. Wir waren doch genervt und es war kalt und nass und wir fühlten uns abgezockt.

Es war ein riesiges Glück, dass wir genau bei unserer Ankunft die am Nachmittag wohl einzigen Sonnenstrahlen hier oben genießen konnten. Vor uns lag ein wunderbares Gebirgspanorama.

Leider hielt dieser kleine Moment mit blauem Himmel nur für ca. 15 Minuten an und schon zogen wieder erste Wolken auf und der Wind nahm extrem zu.

Bei starkem Schneefall und eisigem Wind sind wir wieder herunter gewandert und haben uns schnell in unser Auto verzogen. Die Aussicht auf einen leckeren Kuchen und zwei gute, heiße Tassen Milchkaffee im Ana y Ioana ließen uns noch schneller in die Stadt zurückkehren.

Schließlich sind wir noch zu einem Friseur gegangen, bei dem die beiden sehr jungen „Friseure“ wohl etwas von uns überfordert wurden. Zumindest hat es ziemlich lange gedauert, bis wir fertig frisiert waren und die genutzten Techniken waren uns fremd. Aber wir sehen ganz ok aus und alles wächst ja nach.

Es ist mittlerweile 22.45 Uhr, wir haben im Hotel auf unserem riesigen Zimmer leckere Empanadas gegessen und guten Wein getrunken und die Sonne geht gerade langsam unter. Wir haben vier verscheiden Jahreszeiten hinter uns und einen sehr abwechslungsreichen Tag mit absoluten Höhen und wenigen Tiefen erlebt. Morgen geht es dann in Richtung Norden – langsam zurück in die Welt.

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