Nach einer guten Nacht und einem guten Frühstück haben wir unseren neuen Mietwagen „Nissan Patrol“ (2 Tanks 130 l, 4×4, Schnorchel und 192.000 km) entgegengenommen. Wir sind sehr zufrieden mit dem Fahrzeug und es wird hier sicher noch oft Erwähnung finden.
Rolf bei der Autoabnahme, wobei der Mitarbeiter von Imbex den wichtigsten Vorteil des Wagens nicht erwähnt hat: Wir stehen nun an Nummer 3 der Nahrungskette auf bolivianischen Straßen. Denn die wichtigste und evtl. einzige Verkehrsregel lautet: der Stärkere hat Vorrang: Truck vor Bus vor Geländewagen (hier nach Größe sortiert – unser ist sehr groß), Pk….. wen interessiert hier noch der Rest.
Es hat ein wenig gedauert, bis wir diese Regel konsequent angewendet haben, aber mittlerweile überqueren wir auch rote Ampeln, ohne mit der Wimper zu zucken.
Auf der Ruta 4 Richtung Villa Tunari ging es noch weihnachtlich zu: diese Lösung als Tannenbaum funktioniert bei diesen Temperaturen problemlos und ist sicher leicht zu verpacken.
Im Gegensatz zu unseren bisherigen Fahrten in Patagonien waren wir durchgängig auf Asphalt unterwegs (mit kleinen, aber sehr heftigen Ausnahmen natürlich) und fuhren ca. alle 10 km durch kleinere oder größere Siedlungen. Dabei konnten wir wieder viele unglaubliche Dinge beobachten (z.B. das Trocknen der Kokablätter auf und neben der Straße).
Um der Hitze der senkrecht stehenden Sonne zu entgehen, haben viele Motorräder hier einen Sonnenschirm samt Verlängerung angebracht. In Deutschland würde das wohl kein TÜV abnehmen.
Das Leben scheint sich hauptsächlich an der Straße abzuspielen und oft kann man in Läden, Garagen aber auch Häuser direkt von der Straße hineinschauen.
Gefühlt alle 50 m ein Reifenhandel oder eine Werkstatt, so wie sie hier zu sehen ist. Und überall sind Menschen beschäftigt und werkeln. Gefühlt liegt unter jedem dritten Fahrzeug am Straßenrand jemand und schraubt daran herum.
Das Fahren ist hier allerdings um Einiges gefährlicher als in Deutschland. Plötzliche tiefe Schlaglöcher, keine Regeln (außer siehe oben), überflutete Straßen und überraschende Sandberge auf der Straße bereiten stets Probleme.
Hier ist kurz vor unserer Vorbeifahrt ein LKW auf die Gegenfahrbahn geraten und mit dem Minibus zusammengekracht. Aber auch Gegenfahrbahnen werden nicht immer ernst genommen. Bei zwei Spuren je Richtung kommt auch ab und zu mal ein Geisterfahrer entgegen.
Nach 5 Stunden Fahrt sind wir bei schwülen 30 °C in unserem Regenwaldhotel Hotel de Selva El Puente angekommen. Wir sind nun im Chapare Gebiet angekommen und haben ein Häuschen gleich am Regenwaldrand bezogen.
Trotz der schweißtreibenden klimatischen Bedingung haben wir eine Wanderung durch den tropischen Wald unternommen.
Ich mag es besonders, dass auf allen Bäumen immer noch weitere Pflanzen wachsen, so wie hier Farne und Bromelien – Matthias zieht mich damit gerne auf.
Wir sind dann schlussendlich bis zu einem kleinen Urwaldfluss hinuntergestiegen, bei dem feuchten und rutschigen Waldboden kein so leichtes Unterfangen.
Wir sind nur bis zu den Knien in den Fluss gegangen, da wir keine Lust hatten, noch feuchter zum Wiederaufstieg aufzubrechen – das Wasser war aber sehr klar und angenehm kühl.
Wie immer kann man den Dschungel einfach nicht fotografieren. Es fehlt jedem Foto die Tiefe, die Geräuschkulisse und die Schwüle.
Ein Blick nach oben zeigt immer viele Blätter und Baumkronen, aber die Tiere hört man nur und sieht sie nicht.
In unserem Hotel haben wir im Dachgeschoß mit Hängematten und Ventilator die besonderen Früchte der Region als Saft probiert: Copuazú-Frucht und Camu-Camu, beide sehr lecker und genau passend. Am Abend gab es dann noch den Fisch Tambaqui (schwarzer Pacu) als Chicharrón de pescado – köstlich!