Der Zusatztank

Heute und morgen ist das einzige Ziel: wir müssen La Paz erreichen, um danach unsere Reise wie geplant fortzusetzen. So haben diese Tage nichts von Urlaub und Entspannung, sondern bereiten uns tatsächlich Sorge und machen sogar etwas Angst. ABER als wir Bolivien buchten, wussten wir, dass es problematisch werden kann.

Nach einer mäßig guten Nacht im schönen, aber ziemlich stickigen Hotel in Uyuni (die Zimmer haben keine Fenster nach draußen, sondern nur geschlossene Oberlichter) sind wir mittelmäßig ausgeruht in Richtung der erneuten Zwischenstation Oruro aufgebrochen. In Uyuni und dem Nachbarort Colchani waren die Tankstellen alle geschlossen, da alles Benzin verkauft war und Nachschub nicht in Sicht zu sein scheint. Die Probleme, die für die dortige Bevölkerung entstehen, sind viel gravierender als unsere Sorgen – dies ist uns bei all dem bewusst.

Die Ängste verstärkten sich, als die einzige Tankstelle auf dem 410 km langen Weg auch geschlossen hatte. So war klar, wir kommen mit unserer Tankfüllung nur auf dem direkten, aber blockierten Weg nach Oruro oder aber der Zusatztank muss genutzt werden und das Benzin in den Haupttank gepumpt werden.

Also haben wir angehalten und den elektrischen Mechanismus bei laufendem Motor per Knopfdruck gestartet. Panik kam auf, als sich an den Tankanzeigen für beide Tanks nichts änderte. Die kleine Pumpe konnte man auch nicht hören, da für diesen Vorgang der Motor laufen muss.

Als nach ca. zwei unendlichen Minuten endlich beide Tankanzeigen reagierten, waren wir erleichtert wie lange nicht mehr. Es war nun klar, dass wir – spritsparend gefahren – auf jeden Fall nach Oruro kommen würden.

Gleichzeitig versuchten wir herauszufinden, ob es in Oruro Benzin gäbe und welche Tankstellen dort erfolgversprechend wären. Die Nachrichten per Internet trieben unsere Ängste erneut nach oben. Die Lage laut Netz ist in allen bolivianischen Städten so, dass nur zeitweise und mit langen Schlangen und Wartezeiten von über 10 Stunden Benzin zu erhalten sei. Wir stellten uns also auf ein Nacht im Auto vor einer Tankstelle wartend ein und überlegten schon, wie wir evtl. ganz ohne Benzin die Südamerikareise fortsetzen könnten. Der Mietwagen muss ja eigentlich nach La Paz und Busse fahren hier derzeit wegen der Blockaden und des Benzinmangels auch nicht.

Um so erleichterter waren wir, als gleich die erste Tankstelle in Oruro nur eine Schlange von 3 Fahrzeugen hatte und wir dann endlich unser Auto bis obenhin volltanken konnten. Nun können wir an einem Plan arbeiten, wie wir mit dem Geländefahrzeug über kleine Straßen und evtl. sogar flaches Land nach La Paz gelangen können. Wir werden versuchen, die vielen Straßenblockaden zu umfahren. Die derzeitige Nachrichtenlage stimmt nicht sehr optimistisch, aber wir haben einen Plan A und arbeiten an einem Plan B. Wir haben 3 Tage Zeit und Sprit für 1000 km, um eine Strecke von eigentlich 200 km zu fahren. UND da wir im Altiplano sind, bin ich wild entschlossen, zur Not querfeldein zu fahren.

Während wir im Hotelzimmer mit Blick über die Stadt liegen, dringt von allen Seiten Musik von Spielmannszügen zu uns herauf. Hier wird wohl schon ordentlich für den Karneval geprobt. Je schwieriger die Lage im Land, um so mehr wird gefeiert. Und die Lage ist hier aufgrund der Streiks und den sozialen Problemen wirklich schwierig.

Gleich gehen wir noch einmal raus und stellen uns zu den Bands an den Straßenrand und dann in das einzige Restaurant in dieser Stadt, das wir kennen. Morgen können wir dann hoffentlich aus La Paz berichten.

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