Decreto 5503

Gestern – nach Veröffentlichung des Blogs – überstürzten sich die Nachrichten für uns. Zum einen erfuhren wir, dass die Lage in einigen Teilen Bolivien mittlerweile so dramatisch ist, dass Touristen aus dem uns bekannten Ort Copacabana am Titicacasee vom Militär befreit wurden und in das sichere Peru gebracht wurden. Zum anderen sprach uns das Hotelpersonal an, ob es okay wäre, wenn wir das Frühstück auf das Zimmer geliefert bekämen, da wir die einzigen Gäste wären und das Frühstücksbüfett so gespart werden könne. Alle anderen Gäste hätten aufgrund der Blockaden abgesagt.

Aber kurz darauf erhielten wir die glückliche Nachricht, das Decreto 5503 wird aufgehoben und die Blockaden werden abgeräumt. Für Bolivien bedeutet dies, dass Benzin und Diesel wieder subventioniert werden können. Und vor allem: das Land kann wieder mit dem Transport von Waren, Menschen und vor allem Benzin versorgt werden.

Unser Weg nach La Paz dauerte einige Zeit länger, da wir immer wieder ausweichen mussten und die Blockaden oft nur im Schritttempo umfahren werden konnten.

Wir haben mittlerweile den Eindruck gewonnen, dass jeder und jede hier einen Laden oder Stand betreibt.

Nach fünfeinhalb Stunden Fahrt haben wir die 210 km nach La Paz endlich hinter uns gebracht und sind über die hochgelegene Nachbarstadt El Alto (ca. 4.000 m) in die verrückte Hauptstadt von Bolivien gefahren.

Und dann waren wir endlich in La Paz. Diese Stadt mit dem größten Höhenunterschied auf der Welt ist einfach verrückt. Wie Menschen an so steilen Hängen eine solch große Siedlung gründen konnten, ist kaum zu erklären. In Höhen von 3.200 bis 4.100 Metern fährt man in dieser Stadt wohl nirgends einfach waagerecht geradeaus.

Wir haben schnell unser Zimmer im Boutique Hotel La Casona bezogen und uns dann in die Straßen mit den Souvenirläden begeben.

Wir waren noch in einem Barbershop und haben uns die Haare endlich mal wieder etwas in Form bringen lassen. Dort hatten wir viel Spaß mit dem Friseur und sind glücklich, zumindest auf dem Kopf nicht mehr so verwahrlost auszusehen.

Mittlerweile liegen wir frisch frisiert, mit zwei Ponchos aus Alpakawolle ausgestattet in unserem Hotelzimmer und lassen diese verrückten Tag Revue passieren. Und von draußen dringt ein ununterbrochenes Hupkonzert in unser Zimmer.

Da es keine festen Haltestellen gibt, stehen überall Menschen und winken zum Anhalten eines Busses oder die Busse halten teilweise mitten auf der Straße, um Fahrgäste aussteigen zu lassen. Und alles ohne wirkliche Regeln. Ein fantastischer Wahnsinn direkt vor unserem Fenster.