Heute haben wir einen uns unbekannten Straßenzug der Stadt und das südöstliche Umland erkundet. Ganz in Hotelnähe liegt die kleine Straße Jaén, zu der wir heute aufgebrochen sind.
Wir mussten dazu vier Blocks bergauf gehen, was wegen der Steigung und Höhe einfach immer wieder eine Herausforderung ist. Auf dem Bild sieht man leider nicht, wie steil es bergab geht und wie steil die gegenüberliegende Stadtseite nach oben ansteigt.
Nach dem Anstieg wurden wir mit einer ruhigen, bunten Gasse belohnt.
Kleine Häuser teils über 200 Jahre alt mit für Spanien typischen Innenhöfen. In den Häusern sind teilweise kleine Museen oder Hostals untergebracht.Im Hintergrund der Innenstadtstraßen, wie auch von der Calle Jaén aus, sieht man immer die steilen Hänge, an denen sich über einen Höhenunterschied von vielen hundert Metern ein unendliches Häusermeer nach oben erstreckt.
Auf dem Weg zur Plaza Pedro Domingo Murillo mit der Kathedrale von La Paz – steil geht es runter und sofort wieder steil nach oben. Und in allen Straßen fahren unzählige Busse und Taxis und es gilt nur eine Regel: der Stärkere hat Vorfahrt!
Der von Regierungsgebäuden und der Kathedrale gesäumte Platz ist noch mit vollem Weihnachtsschmuck ausgestattet und von unzähligen Tauben bevölkert.Wo Kinder sind, sind Taubenfutter und die Vögel nicht weit.
Zum Straßenbild in La Paz gehört überall auch die Kehrseite des bunten Lebens. Viele Menschen stehen außerhalb der Gesellschaft und müssen sich mit Tätigkeiten das Überleben sichern, die sie in die soziale Isolation führen. Ein Beispiel dafür sind die vielen Schuhputzer in den Straßen.
Am Mittag sind wir dann in den Südosten aufgebrochen, wo sich auch die Mietwagenstation befindet. Über steile, enge Straßen und viele Serpentinen haben wir uns entlang der Berghänge mit unserem Mietwagen hinunter bewegt. Alleine das ist schon ein Abenteuer für einen Europäer – San Francisco ist nahezu flach im Vergleich mit La Paz.
Das Valle de la Luna am Stadtrand von La Paz ist eine kleine touristische Attraktion. Es handelt sich um tausende Felsen, Felsspalten, Erdhügel und kraterähnliche Formationen.
Wir sind knapp eine Stunde durch diese Landschaft entlang von Wanderwegen spaziert und haben die Aussicht über diese zum großen Teil aus Lehmboden bestehend Felsen genossen.
Dann ging es ein benachbartes Tal, 8 km weiter in Richtung Osten: das Valle de las Ánimas – das Tal der Seelen. Die Strecke dorthin war teilweise so steil, dass ich Sorge hatte, dass selbst unser großer Wagen daran scheitern könnte. Am Ende der Straße warteten bei unserer Autoparkaktion zwei einheimische Frauen (typische Scholitas), um uns mitzuteilen, dass sie für den Besuch 20 Bolivianos (ca. 2,5 €) bekommen würden. Wir sind uns sicher, dass dies nicht stimmt. Aber wir haben ihnen gerne das Geld gegeben, die Familien dort können es sicher gut gebrauchen. Außerdem haben sie versprochen, auf das Auto aufzupassen, was in dieser verlassenen Ecke des Tales wahrlich nicht notwendig war.
Die Wanderung in das Tal hinein war leider sehr steil und anstrengend. Aber das Tal und die über 200 m hohen Felsformationen sind spektakulär.
In einem engen Tal sind wir immer höher gewandert und teils geklettert, bis uns schlussendlich die Puste ausging. Wie senkrechte Säulen einer Kathedrale ragten die Felsformationen rechts und links des Weges in den Himmel.
Danach ging es dann zur Mietwagenstation und wir haben uns von dem vorfahrtsträchtigen Fahrzeug verabschiedet. Wieder einmal hat die Abgabe problemlos geklappt. Die Mietwagenfirma hat sogar auf die Bezahlung der zu viel gefahrenen Kilometer verzichtet, da diese wesentlich auf die Blockadesituation im Land zurückzuführen waren.
Nach dem Abendessen haben wir uns noch eine Seilbahnfahrt über das beleuchtete La Paz gegönnt. Für einen sehr kleinen Preis sind wir die Línea Morada hin und zurück gefahren. Die Linie ist 4,7 km lang und überwindet auf der ersten Hälfte einen Höhenunterschied von knapp 700 m, um dann fast waagerecht über El Alto zu schweben.
Es gibt hier kaum etwas Faszinierenderes, als über das nächtliche La Paz zu schweben. Auf dem Rückweg saßen wir alleine in einer Gondel und konnten die Stadt nicht nur von oben sehen, sondern wegen fehlender Motorengeräusche auch gut hören.