Medellín aus unterschiedlichen Perspektiven

Heute haben wir eine Stadtrundfahrt mit sehr verschiedenen Stationen gebucht, um Medellín besser kennenzulernen. Es war eine gute Entscheidung, dies nicht auf eigene Faust zu probieren. Wir wären wohl an der Komplexität und dem unklaren Sicherheitsgefühl gescheitert.

Die erste Station auf der Erkundungstour war die Plaza Botero mit 23 Bronzefiguren des kolumbianischen Künstlers Fernando Botero.

Im Gegensatz zu dem Viertel (Comuna), in dem unser Hotel liegt „El Poblado“, ist Medellín hier wieder wie eine südamerikanische Stadt: trubelig, chaotisch und es finden sich auch sehr arme Menschen.

Nach einem Ausflug zu einem vom hiesigen Versorgungsunternehmen gesponserten Platz ging es mit der Metro in eine etwas außerhalb gelegene Comuna. Die Metro ist auch deshalb der Stolz der Einwohner, weil es die einzige in Kolumbien ist und weil sie wesentlich zur Entwicklung der Stadt beigetragen hat.

Ein wichtiger Aspekt ist dabei, dass die an das Metronetz angeschlossenen Seilbahnen „Metrocable“ auch die problematischen Randviertel der Stadt erreichen. Auf diese Weise können die Einwohner der höher gelegenen Viertel ebenfalls am Stadtleben teilnehmen und dort arbeiten, sich fortbilden oder Gesundheitszentren erreichen.

Danach ging es in die Comuna 13, dem Stadtviertel, dass in den 80er und 90er Jahren zu den gefährlichsten Stadtvierteln der Welt gehörte und in dem die Bandenkriege täglich mehrere Todesopfer forderten. Wir erhielten dort eine Stadtführung von einer jungen Frau, die in dem Viertel aufgewachsen ist und deren Eltern noch von den kriegsähnlichen Auseinandersetzungen betroffen waren.

Wir haben dort einen ganz kleinen Einblick in das Leben dort erhalten und etwas von der Geschichte der Straßenzüge erfahren.

Nach zwei teilweise sehr blutigen Militäreinsätzen in der Comuna 13 wurden die kriminellen Banden in Medellín zurückgedrängt. Galt die Stadt als die gefährlichste Stadt weltweit mit der höchsten Mordrate pro Einwohner und Jahr, konnte sie in den letzten 15 Jahren weitgehend befriedet werden.

Die Stadt ist nach wie vor nicht in europäischem Sinne sicher, aber tagsüber gibt es wohl kaum noch Probleme (Taschendiebstahl mal ausgenommen). Es wird jedoch dringend davor gewarnt, in der Nacht in bestimmte Straßen oder Viertel zu gehen.

Wir haben diesen Rundgang sehr genossen und viel über diese Stadt dazugelernt. Morgen geht es an die Pazifikküste Kolumbiens in den kleinen Ort Nuqui. Dort werden wir (mal wieder) abgeschieden von der Zivilisation sein und evtl. keinen Zugang zum Internet haben. Sollte hier 4 Tage Funkstille herrschen, keine Sorge wir sind am Rande des Regenwaldes und wahrscheinlich sehr gut dort untergebracht.

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