Guayaquil – eine Stadt im Ausnahmezustand

Nachdem wir gestern den Schock bei der Ankunft einigermaßen verdaut hatten, haben wir trotz der vielen Ungewissheiten gut geschlafen. Noch vor dem Frühstück ging es dann daran, die weiteren Reiseplanungen zu überdenken. Dazu nachher mehr.

Nach dem Frühstück haben wir kurz auf die Straßen vor dem Hotel geblickt und beschlossen, dass die Lage einen Bummel am Malecón (die seit 2000 neu gestaltete Uferpromenade) zulassen sollte.

Das typische Bild der neugestalteten Uferpromenade in Guayaquil – ein wirklich gelungenes Projekt

Wir hatten absolut recht, dies war ein total ungefährlicher Spaziergang, auch weil wir fast alleine waren. Außer man nimmt die gesamten Sicherheitskräfte hinzu. Heute kamen auf einen Besucher locker zwei Sicherheitskräfte. Die ganze Promenade leer, alle Gärten geschlossen, alles wirkt wie eine Geisterstadt.

Kein Mensch weit und breit…
… alles ist geschlossen und wir sind alleine!
Die Sicherheitskräfte habe ich mal lieber nicht fotografiert.

Die Uferpromenade wird im Norden von zwei Hügeln mit bunten, alten Häusern abgeschlossen. Leider haben wir den Besuch dieser Viertel aufgrund der Aussage eines Polizisten lieber ausfallen lassen. Aber es wären sowieso all die schönen Lädchen und Galerien geschlossen gewesen.

Einer der beiden bunten Hügel im Norden der Altstadt Cerro Santa Ana
Ein einsamer Fischer auf dem Rio Guayas

Beim Rückweg zum Hotel sind wir noch durch einen Park gekommen, in dem die hier einheimischen Echsen gemütlich in der Sonne lagen – oh, übrigens der Wettergott ist uns wieder absolut milde gestimmt. Wir haben sogar blauen Himmel in dieser eher tropisch schwülen Stadt.

Leguan im Park
Palast der Stadtregierung – es gibt hier eigentlich viele tolle Gebäude zu bestaunen, aber wir trauen uns nicht so ganz…

Nun etwas zu unserer Lage jenseits des Stadtbummels: wir haben heute zwei Situationen gehabt, wo wir uns wirklich unwohl fühlten. Einmal waren wir in einer Nebenstraße des Hotels plötzlich von rennenden und schreienden Menschen umgeben, die uns aufforderten mit ihnen wegzulaufen. Wir haben schnellen Schrittes das Weite gesucht! Auf dem Rückweg zum Hotel mussten wir durch eine Menschenmenge, die sich plötzlich zusammentat und uns schien, dass dort gleich Ärger aufzieht. Kurz danach hörten wir lange Sirenen und Polizeilärm, wir können aber gar nicht einschätzen, was nun los war.

Wir bleiben den Nachmittag und Abend nun im Hotel, dass mittlerweile wieder verbarrikadiert ist und vertreiben uns hier die Zeit. Morgen fliegen wir dann auf die Galapagosinseln und machen dort eine viertägige Kreuzfahrt. Wir haben also kein Netz und es gibt auch keinen Blog – totale Medienabstinenz.

Wie es danach weiter geht, steht noch nicht ganz fest, aber unsere wunderbare Reiseverkehrskauffrau Annika Fichtl hat mit mir heute Morgen schon Alternativen durchgesprochen und wir werden wahrscheinlich statt der 16 Tage Ecuador auf Kolumbien ausweichen. Ganz genau steht es noch nicht fest, aber nach allem was wir lesen, ist die Lage so weit außer Kontrolle, dass unsere Planung mit dem Mietwagen alleine durch das Land zu reisen, unmöglich durchführbar ist. Vielen Dank auf jeden Fall an unsere Reiseagentur des Vertrauens Tourismus Schiegg im Allgäu.

Nur drei Beispiele aus der Presse:
Die Stadt Guayaquil ist derzeit so abgeriegelt, dass wir gar nicht mit dem Wagen heraus kämen.
Derzeit sind über 200 Touristen in den Gebieten, die wir bereisen wollen, eingeschlossen und kommen nicht zurück in die Heimatländer in Europa und den USA. Die Demonstranten lassen diesbezüglich nicht mit sich reden.
Der Hotelverband hat bekannt gegeben, dass die Hotelauslastung durch die Stornierungen auf unter 10 % gefallen ist. Hier können wir bestätigen, dass wir fast gar keine anderen Touristen getroffen haben.

Was uns so traurig stimmt, ist die Tatsache, dass wir den großen Naturreichtum und die überall so netten Menschen nun nie sehen werden, wo gerade ich mich mit meiner ganzen Humboldt-Lektüre im Vorfeld so auf diese Tage gefreut habe.

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